LOADING

ZURÜCK ZUR TRADITION

Matthias Stotz ist überzeugt: „Jeder Mensch und jede Marke haben eine Heimat, die sie prägt und die umgekehrt auch sie prägen.“ Der gelernte Uhrmacher in vierter Generation will als Geschäftsführer von Junghans „auf den Spuren der Tradition wandeln“ und sie in die Gegenwart übersetzen. „Wir wollen unsere Geschichte zeigen, dafür nutzen wir den denkmalgeschützten Terrassenbau als Museum. Doch die Markenausrichtung muss aktuell sein.“

Junghans Uhren – von Schramberg in die ganze Welt“ – mit diesen Worten wird empfangen, wer in die Talstadt hinunter fährt. Unübersehbar ist das Firmengelände am Ortsrand von Schramberg. Der Uhrenhersteller ist fest mit der Identität der Stadt verbunden, war lange einer der wichtigsten Arbeitgeber die Region. Erfinder und Tüftler haben den Südwesten Deutschlands und die feinmechanische Industrie großgemacht. 1861 in Schramberg gegründet, war das Unternehmen Anfang des 20. Jahrhunderts der größte Uhrenhersteller der Welt. 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fertigten mehr als drei Millionen Uhren im Jahr. 1990 wurde die erste Funkarmbanduhr erfunden. Heute produziert Junghans gut 50.000 Uhren pro Jahr und exportiert weltweit. 2009 wurden der Schramberger Ehrenbürger Dr. Hans-Jochem Steim und sein Sohn Hannes Steim Eigentümer von Junghans. Nach der Insolvenz und Krise hat sich Junghans seitdem wieder stark entwickelt.

„Retro ist spannend, die Wiederbelebung unserer Tradition im Produkt passt zum heutigen Zeitgeist. Wir sind dankbar, dass wir extrem starke Wurzeln in unserer Unternehmensgeschichte haben“, sagt Stotz, der ursprünglich aus Freiburg stammt. „Im ländlichen Raum haben wir mehr Ruhe und Gelassenheit, weniger Druck und Enge“, sagt er. „Schramberg ist zwar eine Große Kreisstadt, aber dennoch nicht groß genug, um alle Einrichtungen halten zu können.“ Das einstige Krankenhaus steht seit Jahren leer. Wie viele Gemeinden ist Schramberg betroffen von Zusammenlegungen.

Nicht jeder lasse sich mit Natur locken, Führungskräfte heranzuziehen, Fachkräfte zu halten, das bleibt für Stotz eine Herausforderung. „Auf der anderen Seite sind wir gut aufgestellt mit gleich drei Berufsschulen in der Nähe, in denen Uhrmacherinnen und Uhrmacher ausgebildet werden.“ Die meisten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stammen aus der Region, identifizieren sich mit der Tradition der Uhrenproduktion im Schwarzwald.