LOADING

„WIR VERWIRKLICHEN IDEEN“

Seit 2017 ist Antonia Musacchio-Torzilli In­te­gra­tions­be­auf­trag­te in St. Georgen. Sie bün­delt und steu­ert die Flücht­lings­ar­beit im kom­mu­na­len „Netz­werk In­te­gra­tion“. Seit 1999 lei­tet die So­zial­pä­da­gogin die WIRkstatt, ein städ­tisches Bürger- und Fa­mi­li­en­zentrum zur För­de­rung bürger­schaft­lichen En­gage­ments – eine An­lauf­stelle für Fragen und Ideen.

Als Leiterin der WIRkstatt prägen Sie das Zusammenleben in der Region entscheidend. Wie?

Antonia Musacchio-Torzilli

In St. Georgen leben über 200 Geflüchtete, überwiegend Familien aus Syrien, bereits in Anschlussunterbringung. Als Integrationsbeauftragte bin ich verantwortlich für die Sozialbetreuung der Geflüchteten und arbeite eng mit meinem Kollegen Sven Sebening, dem Integrationsmanager, zusammen.

Ein Großteil der Kinder und Jugendlichen besuchen den Kindergarten oder die Schule, viele sind in Vereinen eingebunden und daher auf einem sehr guten Weg. Die meisten Erwachsenen haben bereits einen Integrationskurs besucht. Nur die Frauen mit kleinen Kindern sind überwiegend zu Hause. Auch an sie wollen wir uns richten. Wir haben ein Sprach-Café, eine interkulturelle Mutter-Kind-Gruppe, Sprach- und Hausaufgabenhilfe für Schulkinder, Familienpaten und Alltagsbegleiter, die sich um Papierkram kümmern. Auch die Kirchengemeinden vor Ort haben ihre Angebote, etwa ein Frauenfrühstück, Krabbelgruppen. Wir sind hier in St. Georgen sehr gut untereinander vernetzt.

Wie kann Integration auf dem ländlichen Raum gelingen?

Durch engen Kontakt und Verbindungen zu den Einheimischen. Durch das Modell der Familienpaten und Alltagsbegleiter haben sich schon sehr früh, seit 2015, engagierte Bürgerinnen und Bürger intensiv um die Familien gekümmert. So konnten unsere Geflüchteten sie behutsam kennenlernen und hatten immer mindesten eine Vertrauensperson aus dem Ort als festen Ansprechpartner. Wir haben die Ehrenamtlichen von Anfang an in Ihrem Engagement unterstützt. Ich stehe bei Fragen und Problemen zur Seite, wir bieten Schulungen und regelmäßige Austauschtreffen, gemeinsame Feste. Im Ort und Landkreis sind wir sehr gut vernetzt, wir Sozialpartner kennen uns alle, die Dienstwege sind kurz. Und das ist zugleich der Nachteil: Manchmal ist es hier doch „zu klein“.

Was verändern Sie mit Ihrem Wirken?

Die Angebote der WIRkstatt ermöglichen allen Bürgerinnen und Bürgern, mit und ohne Migrationshintergrund, frühzeitig Hilfe in Anspruch nehmen zu können. So können wir in unserem Netzwerk rechtzeitig auf jeden Bedarf reagieren. Als die Maskenpflicht eingeführt wurde während der Corona-Krise, haben wir in der WIRkstatt mit dem Verteilen und Nähen begonnen. Doch manche Probleme können auch wir nicht lösen: Eine Hürde bleibt es etwa, dass wir zu wenige bezahlbare, große Wohnungen für Familien haben. Mehr Raum lässt sich nicht herbeizaubern. Leider.

Was zeichnet gutes Zusammenleben für Sie aus?

Wir haben eine vielfältige Vereinslandschaft im Bereich Sport, Kultur und Soziales, eine schöne Landschaft mit tollen Sport- und Freizeitmöglichkeiten, eine unglaublich vertraute, gute Gemeinschaft. Neben der WIRkstatt leite ich das Reparaturcafé, wo Ehrenamtliche arbeiten, Rentner, größtenteils ausgebildete Techniker. Viele bringen Elektrogeräte, kaputtes Werkzeug, Kleidung, die ausgebessert werden muss. Einmal brachte ein Ehepaar eine Kaminuhr zu uns, die sie zur Hochzeit geschenkt bekommen hatten. Ausgerechnet kurz vor dem 50, Hochzeitstag war sie kaputt gegangen.