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„TRADITION DARF SICH WANDELN“

Der Trachtenverein St. Georgen wurde 1907 zur Pflege der heimatlichen Sitten, des Brauchtums und zur Erhaltung der Schwarzwälder Tracht gegründet. Birgit Santalucia, Lehrerin am Gymnasium in Schramberg, ist seit 2008 Mitglied und seit 2013 Schriftführerin.

Birgit Santalucia

Seit 2005 lebe ich in St. Georgen, der Heimat meines Mannes Guido. Ich stamme aus einem Dorf bei Freiburg, habe in Frankreich Biologie studiert, in Finnland meine Diplomarbeit geschrieben und in Freiburg promoviert. Doch Heimat ist heute St. Georgen. Freundinnen scherzten damals, ich würde nun nach „Badisch-Sibirien” ziehen. Hier ist es wirklich immer ein paar Grad kühler. Umso wärmer und herzlicher haben mich die Menschen aufgenommen – besonders im Trachtenverein. Im Verein sind wir offen für jeden. Tradition gehört gepflegt und darf sich wandeln. Sie verbindet. An den Wochenenden bei Umzügen sind wir oft fünfzig Mitglieder, auch wenn immer mal wieder jemand nicht kann, weil die Landwirte im Sommer Heumachen müssen.

Wir umspannen alle Generationen. Die jüngeren lernen von den erfahrenen Mitgliedern. Meine ganze Familie zieht mit, auch unsere Kinder Luisa, 10, Laura, 8, und Claudio, 6. In Tracht fühle ich mich würdevoller als in Jeans und Shirt. Der Verein ist vielfältig, ich bin in der Tanzgruppe und wir musizieren mit Kuhglocken. Freundschaften sind entstanden, wir machen Ausflüge, Bastel- und Backaktionen mit der Jugendgruppe, stemmen Feste, fahren zu Umzügen in der Region oder sogar bis nach Paris oder Basel.

Mit 15, 16, wenn die Jugendlichen andere Interessen haben oder die erste Beziehung, verlassen einige den Verein. Andere gehen zum Studieren, finden eine Lehrstelle. Doch viele kehren irgendwann zurück.

ZU BE­GINN HÄTTE ICH NIE GE­DACHT, DASS ALLEIN DAS AN­ZIE­HEN UN­SERER TRACHT SO HE­RAUS­FOR­DERND IST: BLUSE, SCHÜR­ZE, STRÜM­PFE, KÄPP­CHEN, ALL DIE KNOTEN ...“

Allein durch die räumliche Nähe sind viele Verbindungen enger als in der Großstadt. Meine Schwiegereltern kennen jeden hier, alle Familiengeschichten. Auch im Trachtenverein sind viele verwandt. Das war anfangs kaum zu durchschauen für mich.