LOADING

WIE WOLLEN SIE LEBEN, HERR OLIVER?

José F. A. Oliver wurde 1961 in Hau­sach im Schwarz­wald ge­boren. 2007 wurde er mit dem Kulturpreis der Baden-Württemberg Stiftung aus­ge­zeich­net. Oliver ist Ku­rator des von ihm initi­ierten Literatur­festivals „Hausacher LeseLenz“, der im Rah­men des Literatur­som­mers von der Baden-Würt­tem­berg Stif­tung unter­stützt wird.

Was bedeutet für Sie Heimat –und wie gestalten Sie diese mit?

Jose Oliver

Meine Eltern kamen 1960 als Gastarbeiter aus Andalusien in den Schwarzwald. Er ist mir, wie Andalusien auch, eine Heimat. Eine aus den Angeln gehobene Nähe. Nach meinem Studium an der Universität Freiburg gab es für mich als freiberuflichen Schriftsteller zwei Möglichkeiten: Entweder in Hausach bleiben oder wegziehen. Ich habe mich für Ersteres entschieden und gegründet, was mir gefehlt hat: eine Bühne für Literatur. Was 1998 mit drei Dichterinnen und Dichtern und 13 Zuhörerinnen und Zuhörern begann, hat sich zu einem internationalen Literaturfestival ersten Ranges entwickelt. Mit über 70 Autorinnen und Autoren jedes Jahr und mit Tausenden von literarisch interessierten Gästen aus dem In- und Ausland.

Wie engagieren Sie sich? Und warum?

Literatur ist Sprache. Sprache ist kontinuierliche Arbeit. Spracharbeit ist Sozialarbeit. Jede Sprache birgt Poesie in sich. Jeder Mensch schöpft Sprache. Die Voraussetzung in den Dialog nach Morgen. Dies wiederum lässt das Heute bewusster erleben. Ich bin Lyriker, das ist eine Seins-Form. Ich bin Interpret meiner Arbeiten, das sichert mein finanzielles Überleben, und ich bin Literaturvermittler, das ist meine gesellschaftliche Verantwortung. Wir vergeben mittlerweile einen Literaturpreis für Junge Literatur, drei Literaturstipendien und eine Poetik-Dozentur für den Bereich Kinder- und Jugendbuch an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Mit dem Literaturhaus Stuttgart haben wir Schreibwerkstätten für Schulen entwickelt, um die Sprachsensibilität von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Die Baden-Württemberg Stiftung unterstützt den „LeseLenz“ seit Jahren über den Literatursommer.

Welche Bedeutung hat das Engagement für das Landleben, die Gemeinschaft?

Zunächst: Es gibt kein Landleben, sondern ein Leben auf dem Lande. Dieses Leben ist das Leben in einem globalisierten Dorf. Die Herausforderung? Dieses Leben muss jeden Tag neu erfunden werden. Das ist das Geheimnis des Bleibens im Weitergehen. Des Gehens im Bleiben.

Was macht für Sie den Reiz des Lebens auf dem Land aus?

Die Überschaubarkeit und die Synthese aus Tradition und Experimentierfreude inspirieren mich. Hier ist die Welt literarisch und poetisch zu Hause und strahlt wiederum in die Welt hinaus. Das Festival ist mittlerweile ein Beispiel und Vorbild für viele andere Initiativen im deutschsprachigen Raum und auf europäischer Ebene. Für mich gibt es hier keine wirklichen Schattenseiten, die es irgendwo anders nicht auch gäbe. Die Synthese aus Tod und Leben bedeuten überall „Gemeinsamkeit“. Licht und Schatten sind ein nomadischer Schirm, der dich immer wieder das Wörtchen „Demut“ lehrt, wenn du dich ihm anvertraust.