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SO GEHT TRAMPEN HEUTE

Mitfahrbänke sollen als Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr im ländlichen Raum mobil machen. Von Dorf zu Dorf nehmen Autofahrer die Wartenden mit. Wer früher als Anhalter den Daumen hob, setzt sich jetzt auf eine bunte Bank. Eine Initiative für mehr Mobilität in strukturschwachen Regionen.

„Suche Mitfahrgelegenheit. Von: Hier. Nach: Ganz weit weg. Oder ins nächste Dorf.“

„Mifahrbänkle“, kleine Haltestellen, versehen mit Schildern, sind mittlerweile überall im Schwarzwald zu finden. Sie stärken den Gemeinsinn. Sie verbinden, vernetzen, bringen Menschen zusammen – und von A nach B. Denn während in Städten wie Freiburg oder Stuttgart die Bahnen im Minutentakt fahren, kommen auf dem Land die Linienbusse oft nur selten – wenn überhaupt. Wer nicht Autofahren kann oder will, sitzt zu Hause fest.

Wie funktionieren die „Mitfahrbänkle“?

Nimmst du Platz, nehm ich dich mit. Die Idee ist simpel: Wer in eine bestimmte Richtung mitgenommen werden möchte, beispielsweise von Hausach im Kinzigtal in das gut fünf Kilometer entfernte Wolfach, setzt sich auf die als solche klar gekennzeichnete Mitfahrbank und wird von einem Autofahrer oder einer Autofahrerin aufgepickt. Mit etwas Glück und Geduld.

Die Mitfahrbänke können überall stehen: am Supermarkt, an der Schule oder am Hauptbahnhof. Die Gemeinden installieren ein Hinweisschild mit verschiedenen Zielorten, etwa der Supermarkt im nächsten Ort oder zum nächsten Bahnhof. In der Regel gibt es vom Zielort aus auch wieder eine Mitfahrbank an den Ausgangspunkt zurück.

An wen richten sich die „Bänkle“?

An alle, die kein eigenes Auto haben oder es lieber stehen lassen wollen. Vor allem ältere Menschen nutzen das Angebot. Oder Jugendliche, für die die Busse nicht ausreichend oft fahren. Oder Personen, die umweltbewusst leben und darum auf Fahrgemeinschaften setzen. Das Angebot soll die bestehenden ÖPNV-Netze ergänzen, nicht ersetzen. Manche Ortsteile und Seitentäler werden von Buslinien gar nicht angefahren. Mitfahrbänke helfen einerseits, das Nahverkehrsangebot zu verbessern, andererseits bieten sie Menschen, die kein Auto mehr fahren können oder keines haben, die Möglichkeit, mobil zu bleiben.

Überall im Schwarzwald sind die Bänke mittlerweile verteilt. Immer neue kommen hinzu. Die Gemeinde Gutach hat Bänke in Richtung Hausach und Hornberg aufgestellt. In der 3.200-Einwohner Gemeinde Schuttertal gibt es heute mehr als 15 Haltestellen. Firmen und Geschäfte in der ganzen Region haben sich bereit erklärt, Mitfahrbänke zu stiften oder vor der eigenen Tür aufzustellen. Wer jemanden mitnehmen möchte, registriert sich als Fahrer mit Namen und Adresse bei der Gemeinde und erhält dann einen Aufkleber für die Windschutzscheibe. Das schafft Vertrauen und Sicherheit. Seit Februar 2019 hat die Gemeinde die „Mitfahrbänkle“ aufgestellt. Mehr als 400 Freiwillige haben sich inzwischen registriert. Versicherungsrechtlich gibt es keine Probleme. In Schuttertal zum Beispiel sind die Mitfahrenden über die Haftpflichtversicherung des Fahrers versichert.

Und was, wenn niemand hält?

Eine Garantie, mitgenommen zu werden, gibt es leider nicht. Manche warten vergeblich. Aus diesem Grund empfiehlt der ADAC Mitfahrbänke vor allem Menschen, die zeitlich flexibel sind. Wer pünktlich beim Arzt erscheinen muss oder einen Termin zur Vereinssitzung hat, muss genug Zeit einplanen. Das Projekt beschränkt sich nicht auf Stadtgrenzen, viele Kommunen schließen sich mittlerweile zusammen.