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ORT DER BEGEGNUNG

Seit 1887 wurde in der Fir­ma Maier Apfel­saft und Most her­ge­stellt. Dann stand der Mostmaierhof in Hau­sach kurz vor dem Ab­riss. Doch neue Eigen­tümer haben ihn wieder­belebt. Mit viel ehren­amtlichem En­gage­ment hat sich das Ge­lände zum Kulturzentrum im Kinzigtal ent­wickelt. Heute finden Kunst­märkte statt, Festivals, Le­sungen, es gibt Ateliers, ein Repair-Café, Wohn­raum und ein „Genuss­lädele“ mit hei­mischen Pro­dukten von Honig bis Likör.

A. Braun - Miteigentümer

Es gibt viele Dinge, die als typisch für den Schwarzwald gelten: die idyllischen Wald-und-Wiese-Landschaften, die über Jahrhunderte entwickelte Bauernhofarchitektur, die wasserkraftgetriebene Industrialisierung der Täler. Wir haben kein Meer, keine Alpen, keine Großstädte. Wenn wir das auch noch hätten, würde ich nie mehr woanders hinfahren wollen.

Geprägt wird der Schwarzwald durch die Menschen – und ihr Engagement. Als die Gebäude des ehemaligen Gewerbeareals für das Baugebiet Eichenäcker- Brachfelder abgerissen werden sollten, wollten wir uns damit nicht abfinden. Wir wollen das historisch gewachsene Gebäudeensemble nutzen und erhalten, ein gutes Umfeld zum Leben und Arbeiten schaffen. Ein Meilenstein war für uns, dass wir mit der Lebenshilfe e. V. eine Partnerin für die Wiederbelebung des Hauses Maier gefunden haben. Hier wohnen seit Herbst 2018 neun von der Lebenshilfe betreute Personen in drei Wohngemeinschaften.

W. Hafner - Vorstand

Schon seit langer Zeit war mir klar, dass der Mostmaierhof ein Kleinod ist, das keinem Bagger zum Opfer fallen darf. Blindheit und Bauwut haben hier schon zu viel zerstört. Stadt- und Landleben sind keine Gegensätze, Stadt und Land können sich gegenseitig befruchten. Gehe ich sonntags auf der Kaiser-Josef-Straße in Freiburg, kommt es mir wie eine wüste Konsumbrache vor, da gehe ich schon lieber im Mostmaierhof in den Presseclub, unsere „Mostpresse“, wo wir über aktuelle Themen diskutieren. Im Nachbarhof bin ich aufgewachsen und quasi nur zwei Häuser weitergekommen: stark verwurzelt und vogelfrei. Es gibt zwei Schwarzwaldbahnen, eine nach Konstanz, eine nach Stuttgart. Der Mostmaierhof liegt keine 100 Meter vom Bahnhof entfernt. Die Rückkehr vom Meer oder aus großen Städten zaubert mir spätestens beim Passieren des Ortenberger Schlosses ein Lächeln ins Gesicht.

Ich will leben, wie ich es tue, im Mostmaierhof, am Waldrand, umgeben von Büchern und Bäumen, mit Blick auf das Städtchen. Die üblichen Dorfnachteile, Klatsch, Tratsch, festgefahrene Beziehungsgefüge, lassen sich ertragen, sie können mitziehen. Die Begegnung mit anderen ist eine Art Textmaschine, die die alten Geschichten mit neuen verwebt und neue hervorbringt. So entsteht eine Art Kontinuität, die lange vor mir begann und hoffentlich lange über mich hinaus besteht.