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WIE WOLLEN SIE LEBEN, FRAU RÖSIGER?

Alle zwei Jahre wird in St. Georgen neu gewählt: Der Jugendgemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern zwischen 14 und 21 Jahren. Alina Rösiger, 18, und Florian Schuhbauer, 18, haben ihr Abitur am Thomas-Strittmatter-Gymnasium gemacht – und setzen sich in ihrer Freizeit für die Interessen junger Erwachsener ein.

Florian Schuhbauer

Wir vertreten die Stimme der Jugendlichen, unsere Meinung hat Gewicht. Klar hatten wir viel zu tun in der Schule. Doch ich finde, es ist wichtig, sich einzubringen und nicht nur über die Dinge zu sprechen, die einen stören. Ich will Lösungen finden. Wir sind Ansprechpartner, Sprachrohr, setzen Themen, die uns betreffen, planen etwa einen Bike-Parcours oder haben ein Konzert mit Künstlern aus der Region organisiert. Je mehr unterschiedliche Leute sich engagieren, desto besser.

Alina Rösiger

Wir sind bei allen Entscheidungen eingebunden, arbeiten auf Augenhöhe mit dem Gemeinderat zusammen. Wir fühlen uns ernstgenommen. Oft werden wir nach unserer Meinung gefragt. Gerade wird etwa die Innenstadt saniert. Das betrifft auch uns, weil wir hier in den kommenden Jahren leben werden. Wir sind die Zukunft. Bei vielen Themen habe wir eine andere Perspektive, das bereichert. Wenn alle Anregungen geben, lässt sich einiges mitbestimmen. Dann werden Entscheidungen nicht nur „von oben“ gesetzt.

Was wünscht ihr euch?

A.R.

St. Georgen hat viel zu bieten, der Klosterweiher ist superbeliebt, wir haben einen Fußball- und Tennisplatz, Skilifte. Engagement heißt nicht nur, sich politisch einzubringen. Auch in Vereinen lassen sich Interessen umsetzen. Wenn jeder einen kleinen Schritt macht, lässt sich viel verwirklichen. Die Busverbindung ist oft kritisch, wir schließen uns zu Fahrgemeinschaften zusammen – und sind echt häufig auf das Auto angewiesen. Viele machen mit 15, 16 den Rollerführerschein – gerade die Jugendlichen aus den Teilorten. Ich finde es wichtig, Raum zu haben, um sich selbst zu entwickeln. Klar hat eine große Stadt ein anderes Feeling, ein spannenderes Nachtleben. Doch hier gibt es mehr Rückzugsorte, mehr Ruhe.

F.S.

Tradition wird oft mit strikten Regeln verbunden. Sie anders zu interpretieren, zu brechen, das finde ich spannend. Wenn die Schwarzwald-Mädchen auf Kunstfotos plötzlich Tattoos und Piercings tragen zum Beispiel ... Oder dass unsere Vergangenheit als Hochburg der Schallplattenindustrie heute Teil unserer Stadtmarke ist. Wenn wir überlegen, was wir alles haben, überwiegen die positiven Seiten. Ich habe Handball gespielt, es gibt viele Stadtfeste. St. Georgen ist ein „Fasnets“-Ort, es gibt mehrere Zünfte, da ist immer etwas los. Ich möchte an einem Ort leben, wo alle Bildungswege offen sind. Die Natur hat einen hohen Stellenwert hier. Im Wald war zu Corona-Zeiten so viel los, wie sonst auf dem Marktplatz.

Wo seht ihr euch in den nächsten Jahren?

F.S.

Ich schwanke zwischen einem Studium in Wirtschaftsingenieurwesen oder BWL. Mich zieht es nach Stuttgart, Tübingen, aber auch nahe bei uns in Furtwangen können wir studieren. Am Wochenende werde ich oft hier sein. Heimat ist, wo die Familie ist. Ich kenne jede Ecke hier. Wir sind ein Wirtschaftsstandort, es gibt gute Berufschancen. Darum kann ich mir gut vorstellen, später zurückzuzuziehen.

A.R.

Ich möchte gern Richtung Freiburg zum dualen Studium im Bereich Marketing. Doch ich habe den Plan, danach wieder nach St. Georgen zurückzukehren. Wenn sich mehr junge Leute so entscheiden, wachsen die Kleinstädte und schrumpfen nicht. Ich habe hier so viele Chancen. Hier lebt die Familie, hier sind meine Wurzeln.

Was wir erreicht haben: Unser Projekt „Kulturrucksack“: Damit ermöglichen wir freien Eintritt für Jugendliche zu Kulturveranstaltungen, ins Museum, zu Sport-Events.