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DIGITALER DORFPLATZ

„Crossiety“ verbindet die Menschen in St. Georgen digital. Kommunikationsberater Gerd Kalkbrenner hat die soziale Plattform entwickelt. Er stammt aus Freiburg – und ist vor drei Jahren nach St. Georgen gezogen.

2.800

Nutzer im ersten halben Jahr

250

offene, geschlossene und private Gruppen

User:

Unternehmen, Lokale, Geschäfte, Verwaltung, Schulen, Kindergärten, Kirchen und Vereine, das Klimabündnis, Astronomiefreunde, freiwillige Coronamasken-Näher, Gärtner, Ehrenamtliche eines Stadtteiltreffs

Ziele:

Ein interaktiver Ersatz für das frühere Amtsblatt. Kommunikation erleichtern. Älteren ein selbstständiges Leben ermöglichen. Die Nachbarschaft gut vernetzen.

Gerd Kalkbrenner

Gutes Zusammenleben braucht Räume und Plätze, an denen sich Menschen spontan treffen und austauschen. Das ergibt sich in größeren Städten leichter. Doch auf 862 Höhenmetern entwickelt sich so leicht keine gesellige Cappuccino-Kultur. Dafür haben wir ein reges Vereinsleben und ein unglaublich starkes ehrenamtliches Engagement. Mit unserem App-Projekt bieten wir einen digitalen Begegnungsraum, in dem die Bürgerinnen und Bürger informiert bleiben, sich in Gruppen organisieren, gemeinsame Projekte anschieben.

Auf dem Land können Sie sich nicht so leicht komplett zurückziehen. Deshalb fällt dort niemand so schnell durchs Netz. Wenn sich meine Nachbarn für mich interessieren, hat das auch eine positive Seite. Hier werden Sie auch schneller gefragt, ob Sie irgendwo mitmachen oder mitarbeiten wollen. Die Wege vom engagierten Bürger zur Verwaltung und zu anderen Entscheidern sind direkter und oft weniger formell als in großen Städten. Vieles kann so schneller und einfacher verwirklicht werden.

Ich wünsche mir, dass Plattformen wie unsere den Weg zu einer Wir-Kultur beschleunigen. Digitalisierung wird oft als Bedrohung für das Miteinander wahrgenommen. Hier ist sie eine Bereicherung. Wir führen aktiv ältere Menschen an die App-Nutzung heran. Mit großem Erfolg. Menschen sind einer neuen Technologie gegenüber aufgeschlossen, wenn deren Nutzen gleich einleuchtet. Kontakt zu finden und zu halten, das motiviert. Gleichzeitig macht die App sichtbar, was an Interessen, Initiativen und bestehenden Gemeinschaften bereits existiert. Wer etwa zuzieht oder einen neuen Lebensabschnitt beginnt, kommt viel leichter mit Gleichgesinnten in Kontakt.

Ich bin aus Freiburg hierhergezogen. Als naturverbundener Mensch wollte ich nicht mehr nur am, sondern im Schwarzwald leben. St. Georgen ist der ideale Wohnort: Ein Industriestandort mit guter Verkehrsanbindung in traumhafter Natur. Hier fahre ich zum nächsten Skilift nicht weiter als zum Einkaufen. In diesem Teil des Südschwarzwalds überwiegen die Lichtseiten des ländlichen Raums. Auf den ersten Blick sehen Sie hier viel Wald und Weiden. Auf den zweiten eine exzellente Infrastruktur. Ob das die vielen Arbeitsplätze bei Mittelständlern, die Ausstattung mit Schulen oder das schnelle Internet ist.

Der Schwarzwald lag jahrzehntelang in der Bollenhut-Kuckucksuhr-Schinken-Schublade. Das wird an touristischen Hotspots noch von einer Kitsch-Industrie bedient. Mich freut, dass junge Kunstschaffende und Handwerkende diese Symbole nicht verneinen, sondern neu, anders und sehr kreativ interpretieren. Der Mythos ist stark. Was mich beschäftigt, ist die Lage der Schwarzwaldbauern: Mit Milchwirtschaft können sie kaum noch etwas verdienen und ihr Wald leidet unter Trockenheit, Borkenkäfer und Stürmen. Aber nur die Höhenlandwirtschaft garantiert das typische Landschaftsbild.