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WIE WOLLEN SIE LEBEN, HERR KOPF?

Im Schuttertal im Ortenaukreis liegt auf 400 Meter Höhe der Jägertonihof. Isolde, 50, und Alfred Kopf, 58, führen ihn als Familienbetrieb im Vollerwerb. 45 Hektar Grünland, 25 Hektar Weide-Pachtland, 28 Hektar Wald, rund 40 Mutterkühe und etwa so viele Kälber im Jahr, der Hofladen und eine renovierte Mühle – das ist die Existenzgrundlage der Familie.

Den Hof aufgeben war für Alfred Kopf nie eine Option. Er sieht sich verantwortlich dafür, das Erbe seiner Familie aufrechtzuerhalten – immer mit Blick auf die Zukunft. „Ich bin tief verwurzelt hier“, sagt Kopf. In sechster Generation leben er und seine Frau Isolde mit den vier Kindern Anton, 19, Josef, 16, Helena, 14, und Sofie, 12, abgeschieden in einem Seitental. Rundherum: Natur. Oft kommen Wanderer vorbei, an den Wochenenden Touristen aus ganz Deutschland und der Schweiz. Den ehemaligen Kartoffelkeller haben die Kopfs zur Stube für gut 60 Gäste umgebaut. Im Hofladen gibt es frischgebackenes Brot aus dem Holzofen, Honig und Schwarzwälder Schinken, Schnaps aus der Ernte der Streuobstwiesen. Landwirtschaft im Schwarzwald war und ist beschwerlich, die Hänge sind steil, die Böden karg. „Lebensmittel produzieren als Massenware zu niedrigen Preisen, das geht in dieser Lage nicht“, sagt Kopf. Und das will er nicht. Die Kopfs gehören dem Erzeugerverband „Bioland“ an, sie produzieren Rindfleisch für Metzgereien und ihre Stammkunden. Vom Erhalt der Milchvieh- und der Mutterkuh-Landwirtschaft im Schwarzwald hängt aus Sicht von Alfred Kopf die Entwicklung der Kulturlandschaft der Region ab. Ohne das Bewirtschaften und Mähen der Weiden würden viele Täler zuwuchern.

Isolde Kopf stammt aus der Rheinebene, aus einem Dorf zwischen Lahr und Offenburg, ebenfalls von einem Hof. Vor 20 Jahren zog sie zu ihrem Mann. „Wenn Gäste zu uns kommen, dann sind sie oft fasziniert, wie wir heute so leben können.“ Da gibt es jene, die sagen: So wünschen wir uns das auch. Oft ohne zu sehen, wie viel Arbeit dahintersteckt. Und da sind die, die sagen: Das wäre uns zu abgeschieden.

„Auf dem Land genieße ich die Weite“, sagt Isolde Kopf. „Unser Leben spielt sich im Grunde in einem Radius von 50 Kilometern ab“, sagt Alfred Kopf. „Ganz selten gehen wir weiter weg.“ Mal zum Urlaub nach Österreich, mal besuchen sie Freunde. „Doch das Schöne ist: Die Welt kommt zu uns“, sagt Isolde Kopf. „Gerade junge Leute sind fasziniert, von den alten Dingen, erfreuen sich am urigen Holztisch. Es ist heimelig bei uns, aber nicht kitschig. Oft habe ich das Gefühl, ich kann ihnen hier ein Stück Heimat bieten, damit sie aus ihrer Getriebenheit herauskommen – und aufatmen können.“

WENN MAN NICHT WEISS, WOHER MAN KOMMT, WEISS MAN NICHT, WOHIN MAN GEHT!“

Die Kopfs achten auf ein sparsames Leben. „Wir teilen uns alle diesen einen Planeten“, sagt Alfred Kopf. „Konsum, das große Auto vorfahren: Was davon ist wirklich wichtig und hat Bestand?“, fragt sich Isolde Kopf. „Wollen wir unser Lebensglück wirklich an materielle Güter binden?“ Wenn sie darüber nachdenkt, was für sie wirklich zählt, sagt sie: „Frieden, Ruhe und Sicherheit.“

Die Kopfs wollen bewahren, ohne stillzustehen. Das leben sie ihren Kindern vor. Anton*, der Älteste, besucht gerade im dritten Lehrjahr die Landwirtschaftsschule in Freiburg. In ein paar Jahren, das kann er sich vorstellen, möchte er den Hof übernehmen.