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DIE HEIMAT DES TANNENZÄPFLE

Christian Rasch, 52, ist studierter Hotelbetriebswirt und stammt aus Lörrach. Als Biermanager war er zwei Jahrzehnte bundesweit und international unterwegs, zuletzt bei Stuttgarter Hofbräu. Seit sieben Jahren ist er als Alleinvorstand der Brauerei Rothaus im Hochschwarzwald zurück in der Heimat.

Christian Rasch

Seit 26 Jahren bin ich mit einer Schwarzwälderin aus Furtwangen verheiratet. Unser Haus steht direkt an der Brauerei. Wir leben und arbeiten, wo andere Urlaub machen, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen. Das Staatstheater und die Oper in Stuttgart, diese „Hochkultur“ fehlt hier. Doch das ist ein winziger Wermutstropfen. Dafür haben wir vor der Tür wunderbare Mountainbike- Strecken – und in eineinhalb Stunden sind wir in der Landeshauptstadt. Wir haben Glasfaseranschluss, sind technisch auf dem neusten Stand. Die frische Luft, die Natur, die Entschleunigung, das imposante Brauereigelände: In diesem Umfeld bringen wir unseren Betrieb dynamisch voran. Es gab und gibt viele Krisen in Wirtschaft und Gesellschaft. Rothaus hatte immer Bestand. Wir haben sechzig Jahre unser Etikett nicht verändert, bewusst. 1894 haben wir das erste Flaschenbier auf den Markt gebracht. Schon da war unsere „Biergit“ auf dem Etikett, mal dunkelhaarig, mal blond, immer zeitlos. Sie strahlt Kontinuität aus. Sie ist die Design-Ikone, die den Schwarzwald mit ihrer Tracht symbolisiert.

Das ist ein Geheimnis unserer Beliebtheit: Wir haben uns nie verbogen, sind nie Trends gefolgt, haben einfach unsere Biere gebraut. Das „Tannenzäpfle“ von 1956 ist das gleiche wie heute, – traditionelles Handwerk Hand in Hand mit modernster Technik. Wir haben schon immer in unseren Standort investiert und arbeiten energetisch sauber, mit hundert Prozent Ökostrom aus der Region. Wir haben den CO₂-Ausstoß in den vergangenen Jahren halbiert. Die Benediktinermönche vom Kloster St. Blasien haben die Brauerei wegen der Quellen rundherum hier gegründet. Das Brauwasser ist entscheidend. Dafür nehmen wir Nachteile in Kauf. Es ist herausfordernd, Fachkräfte zu bekommen und zu halten. Doch die größte Hürde für uns ist die Logistik. Manchmal würde ich mir wünschen, dass der Fernverkehr nach Berlin oder Hamburg, wo unser Bier Kultstatus hat, auf die Bahn umgestellt werden kann. Die Landesregierung arbeitet intensiv daran, wir tauschen uns mit Vertretern der Bahn aus und es gibt Forschungsprojekte. Ökologisch und ökonomisch denken, das bedeutet für uns Verantwortung. Wir investieren in die Zukunft – und bewahren Tradition und Vergangenheit. Wir sind stark verankert im Hochschwarzwald und in dieser eher strukturschwachen Gegend ein wichtiger Arbeitgeber. 265 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen wir, hinzu kommen im Gastronomiebereich siebzig weitere Kräfte. Und wir unterstützen gut tausend Arbeitsplätze durch Aufträge, von Lieferanten bis zu Handwerksbetrieben. Ich glaube, im ländlichen Raum ist die Identifikation mit Unternehmen und der Region stärker. Das zeigt die langjährige Treue und Verbundenheit, die Mitarbeitende zu Rothaus haben. Im Durchschnitt sind sie 17 Jahre lang bei uns. Einige Familien sind seit Generationen vertreten.