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DER WALD IST MEDIZIN

GEH INS GRÜN DES WALDES UND DU WIRST HEILUNG ERFAHREN, ALLEIN INDEM DU DORT BIST UND ATMEST.“

Hildegard von Bingen

Das Rascheln der Blätter. Der Gesang der Vögel. Der Duft der Fichten. Sonne bricht durch die Baumkronen. Das Spiel von Licht und Schatten. 

Der Schwarzwald ist mehr als das Erkennungszeichen der Region. Der heimische Wald bildet ein eigenes Ökosystem, das auch auf uns Menschen wirkt. 

„Shinrin-Yoku“, heißt übersetzt: in der Atmosphäre des Waldes ein Bad nehmen.

„Die Kunst des Waldbadens ist die Kunst, sich durch alle Sinne mit der Natur zu verbinden“, sagt der japanische Forscher und Professor für Umweltimmunologie, Dr. Qing Li. „Schau dir die Farben der Bäume an, atme tief ein, hör die Blätter rauschen. Wenn du müde bist, darfst du dich ausruhen, wo und wann du willst. Wenn du durstig bist, darfst du etwas trinken, wo und wann du willst. Dreckige Hände machen dich gesund. Waldgänge klären deine Gedanken.“

Qing Li untersuchte schon in den 1980er Jahren die positiven Wirkungen des Waldes. In Japan hat sich Waldbaden bereits als fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge etabliert. Aber auch in Deutschland werden mittlerweile entsprechende Kurse angeboten, um das Waldbaden zu erlernen. Im Schwarzwald gibt es sogar das erste „Waldbadezimmer“ – auf dem Sommerberg in Bad Wildbad – mit hölzernen Wannen.*

Waldbaden oder ein einfacher Waldspaziergang sind heilsam für Körper und Psyche. Der Blick ins Grüne hat eine beruhigende Wirkung. Bäume verströmen chemische Botenstoffe mit positiven Effekten auf unser Immunsystem: Vor allem Nadelbäume dünsten bei jedem Wetter Terpene aus, um ihre Baumnachbarn etwa vor Schädlingsbefall zu warnen. Forschungsergebnisse belegen, dass auch der Mensch diese Botenstoffe wahrnimmt.

Der Wald ist Medizin. Der Puls geht langsamer. Der Blutdruck sinkt. Der Stress schwindet. Die Konzentration steigt.

“Entscheide nur begeistert. Scheitere ruhig. Vor allem hab Zeit und nimm Umwege. Lass dich ablenken. Mach sozusagen Urlaub. Überhör keinen Baum und kein Wasser. Geh ein, wo du Lust hast, und gönn’ dir die Sonne. Vergiss die Angehörigen, bestärke die Unbekannten, bück dich nach Nebensachen, weich aus in die Menschenleere, pfeif auf das Schicksalsdrama, missachte das Unglück, zerlach’ den Konflikt, beweg dich in deinen Eigenfarben, bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süß wird. Geh über die Dörfer. Ich komme dir nach.”

AUS „ÜBER DIE DÖRFER“, PETER HANDKE